Gute Idee: Nachhaltige Neuausrichtung des Naturfreundehauses

Wie wir unser Naturfreundehaus im Schwarzwald sozial und ökologisch neu ausgerichtet haben

Um das Jahr 2000 herum war unser Naturfreundehaus Feldberg, wie so manches andere Naturfreundehaus bis heute, in einem so maroden Zustand, dass wir überlegten, es zu verpachten oder zu verkaufen. Heute ist das Haus unser Erfolgsmodell und zieht Menschen aus ganz Deutschland, Frankreich und der Schweiz an.

Neuausrichtung in zwei Phasen

Die aus der Not heraus geborene Idee, das Haus abzugeben, rief damals umgehend ein Team von Naturfreunden auf den Plan. Diese Personen waren mit einem Verkauf nicht einverstanden und wollten darum selbst die Voraussetzungen schaffen, um das Haus wieder attraktiv zu machen: sie wollten es nach nachhaltigen Kriterien grundsätzlich neu ausrichten.

In einer ersten Phase stand die bauliche Modernisierung im Innenbereich im Vordergrund, die nötig war, um den Gästebetrieb wieder aufnehmen zu können. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes des Hüttenwartes und seiner Helfer konnten die Kosten niedrig gehalten werden, denn unser Ziel war ja, endlich wieder eine schwarze Null zu erwirtschaften.

Im Jahr 2007 begann die zweite Phase mit dem Ziel, das Haus werteorientiert zu gestalten – „naturfreundlich“ eben und attraktiv für Gäste, Ehrenamtliche und Mitglieder. Wir wollten damit eine Zukunftsperspektive aufzeigen – für uns und für den Verband.

Ökologische Zusammenhänge verstehen

Voneinander zu lernen ist eine Grundidee der Kampagne „NaturFreunde bewegen„. Eine nachhaltige Neuausrichtung, wie sie im Naturfreundehaus Feldberg durchgeführt wurde, kann eventuell auch euer Erfolgsrezept werden. Diskutiert doch in eurer Ortsgruppe oder eurem Naturfreundehaus darüber!

Das Naturfreundehaus bezieht heute seinen Energiebedarf aus erneuerbaren Energien. Der regionale Ökostromanbieter Elektrizitätswerke Schönau (EWS) liefert den Strom, die Wärme kommt aus einem Holzscheitofen, sowie einem ebenso mit Holz befeuerten Schwarzwälder Grundofen und einer Solarthermie-Anlage. Die Umstellung des Fuhrparks auf Elektromotoren und eine eigene Stromtankstelle am Haus sind geplant.

Unsere angebotenen Getränke und Speisen sind heute zu mehr als 90 Prozent im Sinne des nachhaltigen Warenkorbs auf die Kriterien regional, bio und fair umgestellt. So werden Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Obst und Gemüse von regionalen Bioland- und Demeter-Höfen bezogen. Weine, Biere und Säfte sind ebenfalls bio und aus der Region. Fair gehandelter Tee, Kaffee und Kakao kommen vom nächstgelegenen Weltladen, Brot vom Bioland-Bäcker. Ferner wurde auf Bio-Bettwäsche umgestellt. Und unsere Reinigungsmittel sind allesamt biologisch abbaubar.

Mit einem selbst entwickelten natur- und erlebnispädagogischen Programm möchten wir Gästen aller Altersklassen Zugang zur Natur eröffnen. Unser Konzept spricht besonders die Sinne an, damit ökologische Zusammenhänge besser erfahr- und damit auch verstehbar werden. Denn: Nur was man kennt und schätzt, wird man auch schützen.

Auch unsere Öffentlichkeitsarbeit haben wir intensiviert, um die Veränderungen auf dem Naturfreundehaus Feldberg sichtbar zu machen. Regionale wie überregionale  Medien berichteten über die Veränderungen. Parallel wurde der Internetauftritt umgebaut und bietet nun aktuelle Informationen zu Konzept, Angeboten und Programm auf dem Feldberg. Zudem werden regelmäßig Seminare und Workshops zu nachhaltigen Themen angeboten, und es wurde eine gemeinwohlorientierte Bibliothek aufgebaut. Das Naturfreundehaus Feldberg wird auch heute noch zum großen Teil ehrenamtlich geführt, wobei Freiwillige des ökologischen, europäischen und/oder des Bundesfreiwilligen-Dienstes diese zunehmend ergänzen.

Die Bilanz

Die Neuausrichtung unseres Naturfreundehauses hat zu handfesten Ergebnissen geführt:

  • die Übernachtungszahlen haben sich seit 2007 mit 7.500 pro Jahr mehr als verdoppelt
  • die Zahl der wiederkehrenden Gäste hat sich auf über 30 Prozent erhöht
  • Selbstversorger übernehmen zunehmend das Prinzip „regional-bio-fair“
  • in 10 Jahren konnten 500 neue Mitglieder gewonnen werden
  • das Naturfreundehaus schreibt seit Jahren schwarze Zahlen
  • die Qualität der Speisen und die tolerante Atmosphäre im Haus finden großen Anklang und fördern ein Gemeinschafts-Erlebnis
  • die Herkunft der Gäste verteilt sich zu etwa gleichen Teilen in Gruppen, Schulklassen, denen wir erlebnispädagogische Module anbieten und Teilnehmer unseres sonstigen Programms

Das Gesamtkonzept interessiert zunehmend auch andere Ortsgruppen und Naturfreundehäuser, die ebenfalls stärker nachhaltig wirtschaften wollen. Wir halten darum seit einiger Zeit Vorträge, um unsere Erfahrungen und Wissen an andere Naturfreundehäuser weiter zu geben. Wer Fragen zu Nachhaltigkeit im Naturfreundehaus hat, kann sich gern an uns wenden.

Thomas Burkert / Hans Seybold / Heinz Blodek